Anne Rinn
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Januar 2002

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Berliner Tagesspiegel (S. 24)
26. August 1997

AUSSTELLUNG - ABSURDIT├ĄTEN AUS DER WELT DER WISSENSCHAFT: ANNE RINNS ZEICHNUNGEN IM TTR-TECHNOLOGIEPARK
Wo der Blubblimubb regiert

Erschienen: 26.05.2006
Medium: Reutlinger Generalanzeiger
Autor: Armin Knauer

Ganz klar, hier schwebt ein Raumschiff durch den ├äther. Gr├╝ne Bleistiftstriche auf wei├čem Papier, ja, das muss es sein. Oder doch nicht? Erste Zweifel. Blick in die Titel-Liste: ┬╗Ein K├Ąnnchen weit┬ź steht da unter Nummer sieben, also nochmal hingeguckt, und in der Tat, das Raumschiff k├Ânnte auch eine fliegende Teekanne sein. Offenbar (der besseren Aerodynamik wegen?) auf einen Automotor aufgeschraubt. Und der Landesteg ist eine G├╝rtelschnalle.
Auf den Bildern von Anne Rinn purzeln die Realit├Ąten durcheinander. Was gerade noch wie ein Blick in mikroskopische Feinheiten gewirkt hat, k├Ânnte beim n├Ąchsten Hinschauen eine kosmische Struktur sein. Was eben noch wie eine Pflanze aussah, k├Ânnte auch eine technische Apparatur sein.

Prinzip der Surrealisten

Ausgerechnet das Fundament der abendl├Ąndischen Weltanschauung hat sich die geb├╝rtige T├╝bingerin ausgeguckt, um ihre ironischen Spielchen zu treiben. Die ├ťberzeugung von der G├╝ltigkeit von Wissenschaft und Technik, bei Rinn l├Ąuft sie voll ins Leere. Es ist das alte Prinzip der Surrealisten: Der Betrachter wird mit Bekanntem gek├Âdert; sobald er zugreift, weicht der Boden, weil der Kontext nicht h├Ąlt, was der K├Âder verspricht.

Bei ihrem Werk ┬╗Akademgorodok┬ź ist schon das blo├če Ausma├č ins Absurde abgedriftet. Eigentlich ist es eine Zeichnung, und Zeichnungen sind meist klein. Diese hier aber klettert von Balkonbr├╝stung zu Balkonbr├╝stung die Fassade des Technologiezentrums T├╝bingen-Reutlingen (TTR) hoch. Unterwegs verwandeln sich primitive Meeresbewohner in vernetzte Industriekomplexe, um knapp unterm Dach wieder im Mikroskopischen zu m├╝nden - nun als Schaltkreismuster von der Halbleiterplatte. Die Riesenzeichnung hat die K├╝nstlerin extra f├╝rs TTR gemacht, und hier, wo in diversen B├╝ros die Spezialisten an neuen Steuerungen t├╝fteln, passt sie ja auch hin. Der Titel, ausgeliehen von einer k├╝nstlichen Wissenschaftsstadt in Sibirien, klingt wie eine Parodie auf den Technologiew├╝rfel, der einsam im Gr├╝nland am Rande des Industriegebiets zwischen Reutlingen und T├╝bingen steht.

Anne Rinn, 1968 geboren, ausgebildet in Wien und Moskau, heute in Berlin lebend, ist fasziniert von der Wissenschaft. K├╝hl und technisch wirken ihre Bilder mit Buntstift, Feder oder Filzstift, mit dem sorgf├Ąltigen Strich eines Rei├čbrett-Entwurfs. Umso bereitwilliger l├Ąsst man sich auf sie ein und tappt in die n├Ąchste Falle. Im TTR-B├╝ro st├Â├čt der Besucher auf ein Blatt mit Robotern, die ihre gesammelte Komplexit├Ąt dem Aufpusten und Zerplatzenlassen von Seifenblasen widmen. Titel des Blatts: ┬╗Blubblimubb┬ź. Im Treppenhaus lauern weitere Hightech-Entw├╝rfe, etwa f├╝r einen Fl├Ąschchenw├Ąrmer Marke ┬╗Alien V┬ź.

In den Seiteng├Ąngen bewerfen sich Adam und Eva mit Rippen und ├äpfeln, und die Evolution geht auf kuriose Abwege. Oben im Konferenzraum infizieren schwarze und gr├╝ne Wolken eine romantische Berglandschaft mit dem Virus der Zivilisation, aus Alpenmatten werden Genlabors.

Botschaft an Au├čerirdische

Selbst vor der Nasa macht Anne Rinns Spiel mit Absurdit├Ąten nicht halt. In der Serie ┬╗Die Sicht der Anderen┬ź greift sie die Idee der Weltraumbeh├Ârde auf, eine ihrer Sonden mit einer eingravierten Botschaft auszustatten: Au├čerirdische Finder sollen sich anhand dessen ein Bild von der Erde machen k├Ânnen. Anne Rinn schickt den Extraterrestriern ihr ganz eigenes Bild irdischen Lebens entgegen. Und was, wenn diese nun ihrerseits l├Ąngst eine solche Botschaft an uns losgeschickt h├Ątten? Auch das hat Rinn bebildert. Ob dabei die Irdischen oder die Au├čerirdischen den gr├Â├čeren Aberwitz verbuchen k├Ânnen, darf der Betrachter entscheiden. (GEA)