Anne Rinn
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Edition

S├╝dkurier, Konstanz
25. Februar 2003
St. Gallener Tagblatt
01. M├Ąrz 2003
Katalog
Januar 2003

Mikrokosmos Zeitschrift f├╝r Mikroskopie 91, Heft 1 , 2002
Januar 2002

Text auf www.kx-Kampnagel.de (Galerie KX-Kampnagel Hamburg)

Adlershof Magazin (Heft 1, Seite 24 - 28)
November 2000

Kunstverein Zehntscheuer

Galerie Acud, Berlin
Berliner Morgenpost vom Sonntag
31. August 1997
Berliner Tagesspiegel (S. 24)
26. August 1997

EINE IRDISCHE AUF DEM ZEICHENSTERN
Anne Rinn zeigt das Ergebnis ihres Konstanzer Stipendienaufenthalts

Erschienen: 01. M├Ąrz 2003
Medium: St. Gallener Tagblatt
Autor: Martin Preisser

Konstanz. Drei Monate lebte sie fast wie Rapunzel im Turm, in kargen, weissen vier Stockwerken. Ihre doppelte Befragung g├Ąngiger Wahrheiten gebar ganz eigenwillige Zeichenkunst.

Martin Preisser

Mit "Die Sicht der Anderen" ist die Ausstellung betitelt: "Der" Anderen, im Plural "die" Ausserirdischen, die auf Anne Rinns (noch) diesseitigen Botschaften in Tusche antworten, "der" Anderen im Singular, "die" K├╝nstlerin selbst. Eine ┬źAndere┬╗ ist die Berliner K├╝nstlerin wahrhaftig, mit ganz ungewohnten Zeichenwelten, mit ├╝berraschenden Mitteilungen, mit Manifestationen einer ganz und gar skurrilen Weltanschauung. Den Botschaften mit genau zensierter, amerikanischer Sicht unseres Planeten, die 1977 mit Voyager I und II ins All gingen, und deren Expedition 2020 beendet sein wird, misstraut Anne Rinn auf recht hintergr├╝ndige, ironische und subversive Art. Ist es wirklich das, was wir an Weltverst├Ąndnis verinnerlichen, aber auch ┬źden Anderen┬╗ als ┬źWahrheiten┬╗ verkaufen wollen? Anne Rinn hat die Fotos, die Carl Sagan unter strenger Zensur der Nasa damals auch in Buchform (┬źSignale der Erde┬╗) zusammengestellt hat, sozusagen als Diskussionsgrundlage im ersten Stockwerk pr├Ąsentiert.

Dichte Zeichenlandschaften

Die n├Ąchsten beiden Stockwerke hat die K├╝nstlerin jeweils mit Gegenpositionen beh├Ąngt, in einfachen, ungerahmten und damit auch Vorl├Ąufigkeit ausdr├╝ckenden Zeichenfolgen, die man (oft fast filmisch gereiht) exemplarisch, in Reihe, im Detail oder als Ablauf studieren kann. Es sind assoziativ sehr dichte Zeichenlandschaften, mit denen Anne Rinn Gegenwelten entwirft, f├╝r sich und f├╝r ┬źdie Anderen┬╗ nach plausibleren, das heisst aber oft auch komplexeren Zusammenh├Ąngen sucht. Antworten auf die Nasa-Botschaften und - nochmals gebrochen - Antworten auf diese Antworten. Mit jedem Stockwerk werden die Wahrheiten ┬źimmaterieller┬╗. Zeigen die ┬źirdischen┬╗ Antworten noch witzige Gegenmythen, ja kleine konkrete Geschichten, sehr fein in comic- und zeichentrickhafter Manier aufs Papier gesetzt, sind die ┬źausserirdischen Antworten┬╗, obgleich auch aufgelockert gestaltet, anspruchsvolles ┬źFutter┬╗ f├╝r Augen und Hirn! Zeichnungen gegen Desinformation bis hin zu gezeichneten philosophischen, sozialen, begriffs- oder wissenschaftsgeschichtlichen Ph├Ąnomenen: Anne Rinn bietet eine breite Palette zeichnerischer Einf├Ąlle, die auf ├╝berzeugend eigenst├Ąndige, obgleich den Zeitgeist gar nicht verleugnende Art einen spannenden Beitrag zur eher selten gewordenen Tuschemalerei darstellen.

Reiche Reibungsfl├Ąchen

Von humorvollen Skizzen bis hin zu fast computergesteuert erscheinenden Piktogrammen: Anne Rinn bietet reiche Reibungsfl├Ąchen, und besonders gelungen scheint auch die Auswahl der unterlegten Texte, die teils von der K├╝nstlerin selbst stammen, aber auch vor Hegel- und Schopenhauer-Zitaten und wissenschaftlicher Prosa nicht zur├╝ckschrecken. Bei all der skurrilen Ausstrahlung, bei all der bizarren Linien- und Strichfantasie von Anne Rinn scheint neben dem fast Spitzb├╝bischen auch sehr viel intime und unspektakul├Ąre Absicht durch, mit der Anne Rinn von ihrem ┬źZeichenstern┬╗ aus ein k├╝nstlerisch spannendes Weltbild entwirft. Ein Weltbild, das in der Kunstwelt durchaus ungewohnt und ├╝berraschend daherkommt, das der Betrachter bei all seiner Komplexit├Ąt durchaus auch lustvoll aufnehmen und weiterdenken kann. Drei Monate lebte Anne Rinn als ┬źArtist in residence┬╗ im Turm des Kulturzentrums, nutzte die Zeit am See als Raumforscherin mit dem Zeichenstift, hat aber nach eigenen Aussagen nach Wochen des Rapunzeldaseins Sehnsucht nach Berliner Luft!