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Berliner Morgenpost vom Sonntag
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Berliner Tagesspiegel (S. 24)
26. August 1997

SCHWARZE WOLKE - GRĂĽNE WOLKE

Erschienen: 2004


Schwarze Wolke – Grüne Wolke

Zeichnungen, Buntstift und Graphit auf Papier, 30 cm x 40 cm, 2004


Für die Zeichnungsserie „Schwarze Wolke – Grüne Wolke“ dienten zwei Science-Fiction Romane als Ausgangsmaterial.
„Die grüne Wolke” von A.S.Neill, für Kinder und Jugendliche geschrieben, veranschaulicht den Forschungstrieb, das zu erkunden, was von der Welt noch übrig bleibt, nachdem die grüne Wolke ihr Unheil angerichtet hat. Die Kinder sammeln die Überlebenden auf, die zufällig auf Bergen waren, als die Wolke über den Tälern hing.
Berge als wichtiges Motiv der Romantik, der Begriff des Wunderbaren und Phantastischen, der Wunsch, über den Wolken zu sein, um kontemplativ die Natur betrachten zu können, zu schwärmen und träumerisch zu schwelgen... Dieser Zustand jedoch wird im Laufe der Zeichnungsserie gebrochen durch die „Science“, irritierende Elemente tauchen in der Landschaft auf wie Teleskope, Observatorien, wurmartig deformierte Gebilde, die Naturwissenschaft drängt sich dazwischen, der Mensch tritt indirekt mit ins Bild und stiftet Unruhe.
Wissenschaft und Technik spielen in dem Roman „Die schwarze Wolke“ des Physikers Fred Hoyle eine zentrale Rolle. Was kann der Mensch an Technologien bieten, um mit der höher intelligenteren schwarzen Wolke, die auf der Erde ebenfalls ihr Unheil anrichtet, Kontakt aufzunehmen? Die schwarze Wolke schwebt über den Bergen, regnet vielleicht mal ab, bleibt aber sonst immer unerreichbar. Der Versuch, sie zu erforschen und zu verstehen, etwa ihr „höheres“ Wissen zu ergattern, wird nur angedeutet und bleibt vorerst folgenlos. In Hoyles Roman verspricht die schwarze Wolke über Kathodenröhren zu senden, aber nur in visueller Form, nämlich anhand von fluoreszierenden Blitzen. Doch selbst der intelligenteste Wissenschaftler hält dem Ansturm an Information nicht stand, da sein altes Wissen sich nicht von dem neuen verdrängen läßt. Hätte sich der einfach denkende Gärtner Joe vor die Röhren gesetzt, wer weiß, was er sehen und hätte aufnehmen können. Doch genau da endet Hoyles Roman.

In der den Bergen gegenüberstehenden Zeichnungsserie wird die „Fiction“ dargestellt, was wäre gewesen, wenn Joe...
Maschinengebilde schmelzen in sich zusammen. In ihren Ruinen nisten neue pflanzliche Keime, die zu sprießen beginnen. Durch ein Mikroskop werden die einzelnen Teile dieser Phantasten-Misch-Wesen genauer untersucht, die Drähte und Verbindungen geprüft. Was der Satellit da so alles auswirft, kann der Betrachter sich auf seine eigene Art und Weise assoziativ zusammenfügen. Ob er sich das „Neue“, das „höhere“ Wissen der schwarzen Wolke erschließen kann, sei dahingestellt.


“Nein, ich glaube nicht, daß es einen solchen Sender darstellt. Lassen Sie mich darlegen, wie ich mir die biologische Entwicklung in der Wolke vorstelle. In einem frühen Stadium gab es wohl eine Menge mehr oder weniger isolierter, verbindungsloser Einzelwesen. Dann entwickelte sich eine Verständigung, nicht durch eine planmäßige unorganische Bildung von Mitteln zur Übertragung von Strahlen, sondern im Zuge einer langsamen biologischen eigenen Entwicklung. Die Einzelwesen entwickelten biologische Organe, die zur Übermittlung von Strahlen bestimmt waren, etwa so, wie wir Mund, Zunge, Lippen und Stimmbänder entwickelt haben. Die Verständigung erreichte einen Grad, den wir uns kaum vorstellen können. Ein Gedanke wurde im Augenblick, da er gedacht wurde, auch schon mitgeteilt. Ein Gefühl wurde in dem Augenblick, da es empfunden wurde, von den anderen Einzelwesen auch schon mitempfunden. Auf diese Weise wurde das Einzelwesen ausgelöscht, und es entwickelte sich ein zusammenhängendes Ganzes. Das Tier, stelle ich mir vor, braucht sich innerhalb der Wolke nicht an einem bestimmten Platz zu befinden. Seine verschiedenen Teile sind vielleicht in der ganzen Wolke verteilt, doch ich betrachte es als eine neurologische Einheit, zusammengehalten von einem Nachrichtensystem, durch das Signale mit einer Geschwindigkeit von 300 000 Kilometern pro Sekunde empfangen werden.“

Aus: “Die schwarze Wolke“ von Fred Hoyle


“Vielleicht gibt es noch ein paar Bergsteiger, die über der Wolke waren. Welches ist der höchste Berg in Deutschland, Neill?”
Neill sagte es ihm, aber David konnte den Mount Everest nicht auf der Landkarte finden. “Hier ist einer, der ganz schön hoch aussieht; Zugdingsbums oder so.”
“Die Zugspitze”, nickte Peycraft. “Versuchen wir´s mal mit der Zugspitze.” Er lenkte das Luftschiff in die Bayrischen Alpen. Als sie über der Zugspitze waren, blickten alle angestrengt durch die Ferngläser nach unten.
“Da!” rief Bunny plötzlich. “Da schwenkt doch jemand eine Nazi-Fahne!”
So war es.
Neill ergriff die Flüstertüte und forderte den Mann in seinem besten Deutsch auf, ins Tal hinabzusteigen, da das Luftschiff nicht auf dem Gipfel landen könne. Der Mann rannte ins Tal. Das Luftschiff sank langsam. Sie landeten, und der Mann kam keuchend auf sie zu. Alle starrten ihn an. Er war in Lumpen gehüllt, unrasiert und sah aus wie der Schneemensch persönlich. Der Deutsche versuchte zu sprechen, aber seine Worte ergaben keinen Sinn. Peycraft reichte ihm ein großes Glas Schnaps: seine Wangen bekamen Farbe, und sein Blick belebte sich.
“Der arme Mann”, murmelte Betty. Sie war den Tränen nahe.
Der Deutsche sah sie an, und dann zog ein Lächeln über sein Gesicht.
“Englisch?” fragte er. “Gut, I speak a leetle Englisch, by dam I am, not true?” Die Kinder lachten, und er lachte mit. Dann erzählte er ihnen seine Geschichte. Er hieß Fritz Apfelkuchen und er war zweiundfünfzig Jahre alt. Er war Funker von Beruf. Auf der Zugspitze sollte er ein neuartiges tragbares Funkgerät testen. So war er der Wolke entronnen. Er war völlig verwirrt, weil er die grüne Wolke nicht bemerkt hatte. Als er ins Dorf hinunterkam, waren alle Leute versteinert gewesen, und er hatte geglaubt, er sei übergeschnappt. Die Kinder erklärten ihm die Sache mit der Wolke. Er wunderte sich nicht schlecht. Daß die Menschheit ausgestorben war, schien ihn weniger zu stören. “Ich finde es nur schade, daß ich niemandem mehr funken kann.”

Aus: “Die grüne Wolke” von A.S.Neill